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Buchbesprechung
"Thailand verstehen"

von H. & R. Pollmeier

Thailand ist gewiss ein touristischer Volltreffer. Wer das Land nicht mit den Facetten einer verengten Wahrnehmung angehen moechte, sollte das Sympathie Magazin "Thailand verstehen" zur Hand nehmen. Es baut Klischees und Vorurteile ab.

Die thailaendischen und deutschsprachigen Autoren moechten die Reisenden sogar ermutigen, waehrend ihres Aufenthaltes einen Blick hinter die touristischen Kulissen des Landes zu werfen. Denn hier, so meinen sie, liegt das eigentliche Thailand: Der Alltag eines 60 Millionen Volkes, das mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Umweltkatastrophen und einem Image als "Dorado fuer Sextourismus" kaempft. Der Alltag von Menschen mit einer uns fremden Kultur und Religion, mit tief verwurzelten, jahrhundertealten Lebens- und Verhaltensweisen. Der Alltag eines Schwellenlandes, das in vielen laendlichen Regionen eine Fuelle von Entwicklungsproblemen aufweist.

Die Autoren des Studienkreises fuer Tourismus und Entwicklung e. V. animieren die Leser, Land und Leuten mit Neugier, Offenheit und Unvoreingenommenheit zu begegnen, um diesen Alltag besser kennen zu lernen. Wer so seine Thailandreise als Chance verstehe, werde fasziniert und bereichert nach Hause zurueckkehren - und vielleicht auch ein wenig nachdenklich.

Ein hoher Anspruch fuer ein Magazin von rd. 60 Seiten mit einer achtseitigen Einlage von Reiseinformationen usw. Er wird fast durchweg erfuellt. Die 32 Kurzbeitraege mischen gekonnt Fakten, historische, kulturelle und oekonomische Hintergruende, viel Wissenswertes ueber Sitten und Gebraeuche. Besonders erfreulich: Tabuthemen wie Sextourismus und Aids werden nicht, wie bei den meisten deutschen Reisemagazinen, ausgeklammert. Die Thais schreiben - wie in Thailand ueblich - zupackend und ungeschminkt, sie lieben es deftiger als die deutschsprachigen Autorinnen, die sich recht schmusig und romantisierend spreizen koennen.

So ist der Einstieg von Ulla Ackermann "Willkommen in Thailand" misslungen. Sie assoziiert Bilder, die zu der Riesenbaustelle Bangkok zwischen Flugplatz und Innenstadt einfach nicht passen, unterstellt darueber hinaus den Thais europaeische Verhaltensweisen, die sie nicht haben: "Gesittet" faehrt ganz Asien nicht, aber gerade in Thailand wird im Auto nicht "grimmasiert und gestikuliert". Denn Harmonie ist ein Grundstreben im thailaendischen Leben, auch im Strassenverkehr. Wer Ärger zeigt, verliert sein Gesicht, menschliche Unbeherrschtheit ruft den Zorn der Goetter hervor. "Der schlimmste Gesichtsverlust fuer einen Autofahrer", sagt ein seit Jahren in Bangkok lebender deutscher Geschaeftsmann, "ist der strafende Blick eines anderen Verkehrsteilnehmers." Frau Ackermann, Sie sollten es einmal mit dem Mietwagen versuchen! Vielleicht revidieren Sie Ihre Vorurteile, die nicht von Fahrpraxis zeugen. Autofahren in Thailand ist kein Horrortrip!

Und dass ausgerechnet in Bangkok "Zaehneputzen am Brunnen vor der Tuer" stattfindet, ist ein schlechter Witz. Solche Brunnen gibt es nicht mehr, denn Bangkok versinkt. Das durstige Ungeheuer saugt seinen schwammigen Untergrund aus. Allein das Gewicht der Gebaeude traegt zu vierzig Prozent zum Absinken der Erdoberflaeche bei, das staendige Vibrieren des Verkehrs verdichtet den Boden. Die Trinkwasserentnahme aus zweihundert staedtischen und 5.000 privaten Tief brunnen erschoepft die unterirdischen Ressourcen.

Ihre Zeilen "Die Strassen der Stadt sind neuerdings so sauber, dass man sich fragt, ob das ueberhaupt Bangkok ist" muessen aus einem Singapur-Text stammen. Die Thais halten ihr Haus sauber, fuehlen sich aber nicht unbedingt fuer den Zustand der Strasse verantwortlich. Wo die Muellabfuhr nur gelegentlich auftaucht, werden Abfaelle verbrannt, auf die Strasse geworfen oder einem nahen Gewaesser anvertraut. "Do not litter" ist lediglich eine wirkungslose Werbekampagne. Und wer vom sterilen Singapur in der Sukhumvit ausgesetzt wird, dem schiessen die Traenen in die Augen: Verstopfte Nase, kratzender Hals und brennende Augen sind die unvermeitlichen Begleitumstaende, Tonnen von Chemikalien, Bakterien und Staub, Schwefel, Kohlenmonoxide und Blei in der Atemluft zu verkraften. Bangkok hat angenehmere Reize.

So stossen einige Aussagen bei Thailandkennern auf Widerspruch, sicher ein gutes Zeichen fuer keine Allerweltslektuere. Sprechen wir die wenigen weiteren kritischen Punkte an:
In dem Beitrag "Von den Lehren Buddhas" wird dargelegt, der Koenig setze das geistliche Oberhaupt der Sangha ein. Das ist zumindest ungenau: Wie der Buddha nicht Haupt, sondern nur Vorbild einer Gemeinde ist, ist die Sangha zwar eine hierarchisch aufgebaute, aber keine selbstaendige Groesse wie die katholische Kirche. Sie braucht als Stuetze einen starken Koenig oder eine andere weltliche Macht. An der Spitze der thailaendischen Sangha steht der oberste Patriach, der - aehnlich wie der Papst - gewaehlt wird, aber dann vom Koenig bestaetigt werden muss. Die Sangha als religioese Organisation weist im Vergleich zu christlichen Kirchen Schwaechen auf. Aber gerade mangelhaft organisierte Macht und ihre direkte Finanzierung durch Laien macht den Buddhismus in westlichen Augen so tolerant und symphatisch.

Das Christentum in Thailand (0,5 %) hat viel geringere Bedeutung, als der Artikel "Thailaendische Christen" andeutet. Auf katholischer Seite kuendigte das 2. Vatikanische Konzil zaghaft Dialogbereitschaft an, aber die meisten Buddhisten legen die Dokumente so aus, dass ihre Religion katholisiert werden soll: Buddha als Vorlaeufer von Christus, eine Tendenz, die auf Grenzen der Toleranz stoesst. Warum Vorsicht geboten ist, erhaertet der Satz: "Reformbuddhisten sind in ihrem sozialen Engagement, in der Sorge fuer Kranke und Entrechtete, stark von Christen beeinflusst worden." Hier wird ohne Begruendung einfach unterstellt. Nun ist egalitaeres Denken im Buddhismus traditionell unbekannt. Buddha selbst geht auf die richtige menschliche Gesellschaft gar nicht ein, denn jede ist von Übel wie die ganze, von Leid gepraegte menschliche Existenz, die kein gesellschaftliches Engagement aendern kann. Die Moenche standen allerdings in ihrer Basis, dem Wat, den Laien mit Rat und Tat zur Seite, als soziales Zentrum waren sie Vermittler zwischen Arm und Reich usw.

Durch die Reformen des Koenigs Chulalongkorn (1868-1910) mit der strikten Trennung von Staat und 'Kirche' wurden der Sangha wichtige Aufgaben entzogen: Die Schulen wurden verstaatlicht, Religion wurde weitgehend Privatsache. Mit dem saekularen Bildungssystem verloren die Moenche ihre fuehrende Rolle. Inzwischen ist auch die doerfliche Struktur in Thailand laengst unterhoehlt. Der Wat erfaehrt einen Funktionswandel. In der Koenigs-Metropole, an der sich ganz Thailand ausrichtet, ist der Buddhismus traditioneller Praegung fast bedeutungslos geworden. Die Realitaet hat ihn ueberrannt.

Als Touristen haben wir kaum die Moeglichkeit, hinter die Kulissen siamesischen Frauenalltags zu schauen, ja nicht einmal eine ganz normale thailaendische Frau naeher kennenzulernen. Eine subtile Sicht thailaendischer Emanzipation zeigt Maliwan Simon. Ein Sprichwort nennt Frauen die "Hinterbeine des Elefanten". Die Vorderbeine sind selbstverstaendlich die Maenner. Im "Land der Freien" ist die Frau meist untergeordnet trotz grossen Einflusses im haeuslichen Bereich. Gesellschaft, Religion und Rechtsprechung draengen sie ins Abseits - auch wenn ein Elefant nur auf allen Vieren laufen kann.

Lassen wir uns nicht taeuschen: Die Jeans junger thailaendischer Frauen sind kein Zeichen echter Emanzipation, das Laecheln der Verkaeuferin befreit nicht von traditionellen Bindungen. Sie wird bis in die kleinsten Dinge des Alltags beherrscht von Rollenerwartungen, Verhaltens- und Hoeflichkeitsregeln, die nicht in Frage gestellt werden. Und da wir aus der Ferne in den Medien die Aktivitaeten der Frauenbewegungen nicht verfolgen und ihre Ergebnisse nicht ueberpruefen koennen, sind wir fuer Informationen fast ausschliesslich auf thailaendische Texte angewiesen. Sie sind recht spaerlich in unserer Republik. Umso mehr erfreut uns diese Arbeit.

Auch wenn wir unsere Kritik bewusst ein wenig ueberstrapazieren, so zollen wir doch den meisten Beitraegen unsere Hochachtung. Aber aufgepasst! Die Werbung ist ein laechelndes Aas: Die Artikel, die das Wirken der Herausgeber und Foerderer der Sympathie Magazine ins rechte Licht ruecken sollen, neigen zur Hofberichterstattung. Als zu lautes Sprachrohr dieser Organisationen duerften sie auf Dauer ihren Zweck verfehlen.

"Thailand verstehen" kann gegen Voreinsendung eines Verrechnungsschecks beim Studienkreis fuer Tourismus und Entwicklung, Kapellenweg 3, D-82541 Ammerland, bezogen werden.

 
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