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Hautnah!
Kunst-Fälschungen

Von Heinz & Rainer Pollmeier

Bangkok entwickelt sich zum internationalen Einkaufsparadies und laeuft Hong Kong und Singapur den Rang ab. In Thailand ist der Kunde Koenig. Noch entgehen Touristen dem psychologischen Druck, systematisch unter Kaufzwang gesetzt zu werden. Üble Tricks und Gaunereien sind Ausnahmen, Schlepper, Nepper und Bauernfaenger in der Minderzahl.

Aber nirgendwo in der Welt werden so viele Faelschungen verkauft wie in Bangkok. Da es sich bis Hinterschoengruenkohl herumgesprochen hat, was es mit den Rolex- und Cartier-Kopien, mit der Mode von Lacoste, Benetton oder Boss auf sich hat, betrachten wir einmal Faelschungen, die bei Kunst und Antiquitaeten nicht sofort ins Auge fallen.

 

Faelschungsproblematik
Faelschungen sind fast so alt wie Kunst und Kunsthandwerk selbst. "Es gilt nicht nur, 'echt' von 'falsch' zu trennen, sondern die vielen Mischformen eindeutig und zuverlaessig zu bestimmen," formuliert Frank Arnau in seinem beruehmten Klassiker "Kunst der Faelscher - Faelscher der Kunst" kurz die Probleme. Faelscher sind Koenner, erfahrene Spezialisten, die ihr Handwerk beherrschen. Bisweilen weisen wir in unseren Artikeln auf Verarbeitungstechniken von Holz und Keramik, Metall und Leder, Stoffe und Farben frueherer Jahrhunderte hin mit dem Hintergedanken: Das Studium von Fachliteratur in Verbindung mit Kunstbetrachtungen in Museen und Ausstellungen schaerft den Blick fuer das Echte. Aus einer Mischung von Sachverstand, Skepsis und Misstrauen laesst sich aus einem rostigen Nagel oft mehr ableiten als aus den Beteuerungen eines Haendlers. Zertifikate sind keine Entscheidungshilfe und selten eine Echtheitsgarantie. "Faelschungen haben das Schicksal, meist so lange zu kursieren, bis sie einen Dummen gefunden haben, bei dem sie laengere Zeit bleiben koennen," schreibt der Kunstjournalist Mueller-Mehlis. Dazu muss man wissen, Schwarzhandel mit Exoten lohnt sich: Sein Umsatz liegt an dritter Stelle nach dem mit Drogen und Waffen.

 

Enormer Kunstausstoss
Siam hatte ueber Jahrhunderte einen eigenen, ueberdimensionalen Kunstausstoss, vor allem an Buddha-Statuen. Thailand schleust laufend, bedingt durch die politischen Verhaeltnisse in den Nachbarlaendern, auf abenteuerlichen Wegen Kostbarkeiten, Nachahmungen und Faelschungen aus Burma, Laos und Kambodscha, sogar aus China und Vietnam in die weltweite Antiqitaetenboerse ein. Kein Gesetz verhindert den Ausverkauf von Kunstgegenstaenden. Die Resolution der UNESCO von 1970 ueber 'Massnahmen zum Verbot und zur Verhuetung der unzulaessigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut' ist wirkungslos, solange 'reiche' Laender die Einfuhr von Antiquitaeten nicht konsequent stoppen. Kein deutscher Zoellner hat verhindert, was auf den Auktionen 'legal' angeboten und ueber Thailand eingefuehrt wird.

Nun sind die Ausfuhrbestimmungen fuer Kunstgegenstaende recht rigoros. Buddha-Figuren, ob Kitsch oder Kunst, duerfen zwar von Farangs gekauft, aber nicht ohne Erlaubnis des Kunstministeriums ausgefuehrt werden. Man will schlicht verhindern, dass die als 'heilig' angesehenen Kultfiguren - grob gesagt - zu Lampenstaendern degradiert werden. Die Sondererlaubnis benoetigt man auch fuer Kunstobjekte, die dem kulturellen Erbe Thailands zugeordnet werden. Ob fuer Souvenirs eine Export-Lizens erforderlich ist, entscheidet der Zoll. Man kann Überraschungen erleben. Stellt das Kunstministerium ueber Gutachten der wichtigsten Nationalmuseen etwa in
einer Woche gegen Gebuehr fest, ob ein Kunstwerk exportiert werden darf oder nicht, kann man sich bei der Association for the Propagation and Preservation of Objekts d'Arts auch die Echtheit erworbener Stuecke bescheinigen lassen. Bei teuren Exponaten beruhigen Zertifikate, ueberzeugen aber nicht, wenn man weiss, dass Haendler die Vordrucke und Dienstsiegel in der Schublade hueten.

 

Buddha-Nachahmungen
Der Asienkenner Helmut Uhlig schildert in seinem Buch "Auf den Spuren Buddhas", Frankfurt/M 1982, einen exemplarischen Fall: "Einige der hier (in Chiang Mai) versammelten Buddhas - zumeist recht grosse, nur schwer transportierbare Exemplare, lassen an Echtheit glauben. Der Haendler zeigt mir ein prachtvolles, kleineres Stueck. Es vereint alle Merkmale einer Sukhothaiarbeit. Im Hotel beginnt der Streit der Experten. Ein niederlaendischer Thaispezialist zweifelt, ein Österreicher will sich fuer die Echtheit des Stueckes verbuergen, ein thailaendischer Freund ... laechelt sein staendiges Laecheln. Er bietet uns an, uns am naechsten Morgen dorthin zu fuehren, wo die Plastik entstanden ist.

Es ist die groesste Kopierwerkstatt Nordthailands. Hier werden nicht nur Kopien fuer offizielle Zwecke wie Tempelrestaurierungen, sondern auch Neuguesse aus alten Formen fuer den Handel hergestellt. Lachend bekennt der freundliche Besitzer, dasser mein Stueck erst vor einer Woche gegossen hat... Er demonstriert uns an Beispielen all die langwierigen Prozeduren zur Erzeugung von Patina, zum kuenstlichen Altern von Holz und zur Herstellung von Schnitzereien, die sich nahtlos in alte Teile einfuegen. Schliesslich zeigt er uns an meiner Figur noch die Stellen an den Ohren, an den Haenden und an den Gussraendern, wo der Neugusszu erkennen ist."

 

Ein aehnliches Beispiel habe ich in Bangkok erlebt. Ich konnte einen schweren Ayutthaya-Buddha nicht mehr ins Handgepaeck verstauen und liessihn als Seefracht nachsenden. Er war zerbrochen, der Zementkern lag bloss, die Bruchstellen entfalteten ihre ganze Faelscherpracht. Ich reimportierte ihn mit allen Zertifikaten und praesentierte ihn diskret meiner chinesischen Haendlerin, die mich seit Jahren 'betreut' hatte. Den Gesichtsverlust hat sie nie ueberwunden. Ich erhielt das Privileg, alle Erwerbungen durch Christie's oder Sotheby's ueberpruefen zu lassen und sie in Zweifelsfaellen zurueckzubringen. Aber wenn man die Muehen und Unkosten zusammenrechnet, kann man besser ein Objekt auf einer europaeischen Auktion erstehen - aber halt auch ohne Echtheitsgarantie. Besagt nicht ein englisches Sprichwort aus dem 18. Jh.: "Eine Auktion ist ein oeffentlicher Verkauf, bei welchem ehrliche Leute den kuerzeren ziehen."

Breite Faelschungspalette
Im Laufe der Jahre besserte sich unsere Vertrauensbasis wieder und ich bekam praktischen Nachhilfeunterricht in ihrer Faelscherwerkstatt mit der Folge, dass ich immer weniger kaufte und mir emotionale 'Kunstkennerschaft' abschminkte. Antiquitaeten in Thailand kann ich mit den Augen meiner Haendlerin fast nur noch als Handelsware wie jede andere betrachteten. Und wo Profit winkt, hat die uralte Sparte der Faelscher Hochbetrieb. Keine Kunstrichtung, kein Werkstoff, keine Technik ist ausgenommen.

 

Bronzen werden ohne technische Probleme exakt nachgeformt, fuer Patina gibt es seit der chinesischen Sung-Dynastie (960-1127) Faelscherrezepte. Die mehr oder minder auf chemischem Wege erzeugten Zersetzungsprozesse komprimieren und verkuerzen nur die natuerliche Alterserscheinung, moderne Saeuren und Elektrolysen erschweren die Entdeckung des Falsifikates. Allerdings werden auch alte Stuecke ueberarbeitet und 'verschoenert'. Faelschungen buddhistischer Plastiken sind zur Touristenindustrie geworden. Bronze- und Steinkoepfe sind leicht zu imitieren, da sie meist klein, bequem zu transportieren und gesucht sind, wenn man an die Khmerwelle denkt. Bei Kleinplastiken der letzten Jahrhunderte aus Holz, Elfenbein, Halbedelstein und Porzellan, die nicht dem buddhistischem Pantheon zugehoeren, 'verkauft' sich der Anfaenger fast immer. Auf Sawankhalok- und Khmerkeramik kann man einen Satz von Arnau abwandeln:
"Nach den gewissenhaften Ermittlungen der Kunstsachverstaendigen hat Carot annaehernd 1 000 Werke geschaffen. Von diesen befinden sich allein in den USA mehr als 5 000."

Im Wat Phra Singh in Chiang Mai, dem 1345 gegruendeten Hauptkloster der Stadt, wird eine angeblich mehr als 1 500 Jahre alte und aus Cylon stammende Buddhafigur in der Haltung der Zeugnisablegung verehrt. Von der beruehmten, hochverehrten Statue des Phra Buddha Singh im Sukhothaistil gibt es noch zwei Versionen, im Nationalmuseum in Bangkok und in Nakhon Si Thammarat. Jede der 'Kopien' koennte das Original sein, aber der Kopf der Statue von Chiang Mai wurde 1922 gestohlen und der jetzige ist eine Reproduktion.

 

Das mag den Besitzer einer Faelschung troesten. In der asiatischen Kunst geht es nicht wie bei der griechischen Plastik um letzte vollendete Schoenheit oder um Originalitaet, sondern um den Ausdruck einer geistigen Haltung, die sich auch in einer Kopie findet.

Nun wird der geneigte Leser fragen: "Wofuer haben wir denn ein Artenschutzgesetz?" 1973 schlossen sich die meisten Industrienationen zum Washingtoner Artenschutzabkommen zusammen, der sogenannten Convention on International Trade in Endangered Species, kurz "Cites" genannt. Aber je mehr Mitglieder - inzwischen 124 Nationen - eine Vereinigung hat, desto unterschiedlicher werden die Bestimmungen gehandhabt. Was die einen streng nehmen, legen andere eher locker - und vor allem zu ihren Gunsten aus. In Deutschland werden die Cites-Bestimmungen bis in ihre engsten buerokratischen Luecken ausgelotet, Verstoesse mit hohen Geldbussen, bei Elfenbein bis zu 50.000 Euro bzw. bis zu fuenf Jahren Gefaengnis bestraft. Darum sollten deutsche Afrika- oder Fernostbesucher ihre Finger von scheinbar preiswerten Kunstgegenstaenden lassen.

Ein Muensteraner, der in Thailand einen Elefantenlederkoffer erworben hatte und damit erwischt wurde, hatte vergleichsweise Glueck: Er erhielt den konfiszierten Koffer zurueck, weil er "falsch" war. Es handelte sich um Rindsleder.

 

 
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