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Hautnah!
Von Geistern und Touristen
Von Geistern und Touristen
Von H. & R. Pollmeier

Puenktlich um acht Uhr werden in Bangkok die Staatsflaggen gehisst, die Klaenge der Nationalhymne gehen im Verkehrslaerm unter. In Restaurants und Laeden steckt man Raeucherstaebchen an die Geisterhaeuschen. Der Touristenstrom im uniformen Outfit von schlabbrigen Bermuda-Shorts und knalligen T-Shirts, gerafft durch die Guerteltasche, begibt sich auf die nimmersatte Suche nach Geheimtips und Schnaeppchen aus der Scheinwelt der Werbung.

Geisterhaeuschen gehoeren in Thailand zu jedem Grundstueck; der Ortsgeist, Phra Phum, wird versorgt, bevor man mit dem Bau des eigentlichen Hauses beginnt. Nach Einzug erhaelt er Vollpension: morgens Reis und Raeucherstaebchen, tagsueber Obst, Tee oder Coke, abends frische Blumen. Auch gegen boese Geister und andere niedertraechtige Wesen, den sogenannten Phis wie Chamop und Chagla oder Grasue und Grahang, haben sich die findigen Thais geruestet. Gutmuetigen Geistern kann man sogar - wie beim Ablass der Katholiken - einen Deal anbieten: Whisky gegen Wuensche. Gehen sie darauf ein, trinken sie symbolisch den fuer ein, zwei Tage offen im Geisterhaeuschen angebotenen Mekong - mit Verstaendnis fuer den wartenden durstigen Spender. Aber gegen einen boesen Geist fanden die Thais kein Mittel: den Touri-Phi. Er verweigert jeden Deal.

Die Industrialisierung des Tourismus verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt: Sie ist proffizient. War der Ortsgeist immer schon da, bevor Menschen auftauchten, ist der Touristen-Phi in seiner graesslichsten Art, der sogenannte P-Phi - die griffige Abkuerzung fuer den Pauschalurlauber - ein unausrottbarer Trend, der professionelle und effiziente Albtraum zugleich. Mit seinem Auftauchen gerieten die Geister weltweit durcheinander: Meist ist er weisshaeutig, langnasig und fett, oft wachsfarben gelb, immer organisiert und arrogant, stellt seinen Reichtum zur Schau, laesst sich bedienen wie ein Scheich und spielt sich im "Land der Freien" entsprechend auf. Kurz: Er missachtet alle Regeln, verstoesst gegen Landessitten und tritt die Thai-Kultur mit Fuessen.

Gegen diesen ungebetenen Gast schrieben sich in den achtziger Jahren kundige Forscher die Finger wund. "Sanftes Reisen" - oder intelligenter, angepasster, vertraeglicher, einsichtiger, muendiger, anderer Tourismus, wie die ruehrige Branche die Mogelpackung bei Bedarf manipulierte - wurde zum Schlagwort, aber die Modelle des Wunschdenkens blieben Theorie. Sie sind unrealistisch, ohne Wachstumsverzicht und staatliche Eingriffe nicht zu verwirklichen. Professor Jost Krippendorf forderte bereits 1974: "Was wir in erster Linie brauchen, sind nicht andere Reisen, sondern veraenderte Menschen." Aber Kritiker und Reiseunternehmen wollen den "veraenderten Menschen" erzwingen, setzen ihn einfach voraus oder tauschen Massentourismus durch "Einzel-, Familien- und Freundesreisen" aus. "Wir haben eine Kombination aus Pauschal-, Studien- und Individualreise und somit eine aktive Komponente bei den Mitreisenden", sagt der grosse niederlaendische Reiseveranstalter "Djoser", der seit zehn Jahren weltweit auf den "anderen Tourismus" setzt, auch in Thailand. Aber wo liegt der Unterschied zwischen Tausenden von Kombinationsreisenden, Neckermaennern oder Einzelreisenden, wenn das Paradies voll ist?

Ein Kombinationstourist ist ein Low-Budget-Tourist. Er legt wenig Geld an und hat angeblich viel Zeit, denkt oekologisch, meidet daher in Thailand Fluege und tingelt mit Bus und Bahn, immerhin 3.000 km in 27 Tagen. Wen wundert da der vielzitierte Satz: "Zum Fotografieren zwanzig Minuten Zeit!" - nicht nur in Sukkothai und Ayutthaya? Da der schwer zu unterbietende Preis eine entscheidende Rolle spielt, werden jetzt K-Touristen eingeflogen, die es frueher gerade bis zu den Balearen oder an das Algarve schafften. Suedostasien ist nicht nur eine Spielwiese fuer betuchte Pauschalis. Der "andere Pauschaltourist" ist anpassungswillig und genuegsam, bevorzugt ortsuebliche, einfache Unterkuenfte. Bei Trekkingtouren schleppt er sein Gepaeck selbst, das gehoert zum Abenteuer, individuell genossen in lockerer Horde. Da auch Last-Minute-Unternehmen den Markt entdeckt haben, verdraengt der andere Tourist den haesslichen, der mitdenkende den dummen. Das hebt das Niveau. "Wo wir jeweils waren, wissen wir bis heute nicht," hoert man zu Hause, "aber wir koennen es im Programm nachlesen".

Der K-Touri ist ein selbstaendiger, mitdenkender. "Wie aber die Tage im einzelnen ausgefuellt werden, das bleibt den Leuten in Absprache mit dem Reisebegleiter voellig selbst ueberlassen," erklaert Norbert Boeer, der Geschaeftsfuehrer von Djoser in Deutschland. In der Praxis sieht das - sagen wir im What Po - wie folgt aus: Der Pulk von acht bis hoechstens zwanzig Personen verlaeuft sich nach der kurzen Gebrauchsanweisung des einheimischen Fremdenfuehrers - und tritt in jedes Fettnaepfen. Die Kleidung fuer einen feierlichen Ort wuerde die Schweizergarde im Petersdom nicht dulden, die Kids versuchen die gigantische Statue des Liegenden Buddha zu besteigen, aus Unkenntnis oder Neugierde schnueffeln die Teilnehmer in Ecken herum, die tabu sind usw.

Die Reisebegleiter schlagen Programmpunkte vor, Ideen der Mitreisenden werden aufgenommen, ausdiskutiert, es wird abgestimmt, was gemacht werden soll. Schauplatz River Kwai, Erawan-Nationalpark, Hausboote, Idylle, glueckliche Tage. Vorschlag: Wasserfaelle, Bademoeglichkeit. Der Herdentrip regt sich, nur nichts versaeumen: Drei Stunden Busfahrt, Stress. Greift das Djoser-Prinzip oder schlaegt der T-Phi zu? Weitere Beispiele lassen sich dutzendfach auffuehren.

Nur ein notwendiger Lernprozess wird ganz langsam zum "veraenderten Menschen" fuehren, der Tourismus ein klein wenig sanfter machen koennte. Die alte Furcht vor der Natur schlug um in Angst um Natur; das frueher abschreckende Wort "Wildnis" wurde als Synonym fuer unberuehrte Natur verstanden, als Paradies nicht unbegrenzt verfuegbar. Der Run setzte ein: Nichts wie hin! Die letzten Paradiese werden gestuermt. Autoren von Reisefuehren und -artikeln sind nicht unschuldig, geraten unversehens in ein Dilemma. Zu viele Touristen koennen eine Plage sein - fuer Mensch und Natur. Sind die Kanutouren in die Hoehlen der Phang-Nga-Bucht ein Modell des sanften Tourismus oder nur Trips fuer elitaere Traveller? Ist ihr Erfinder, der baertige Amerikaner John Gray, ein Missionar des sanften Tourismus oder nur ein Scharlatan? Jedenfalls versprechen Berichte in "Die Zeit" und "Globo" Massenandrang und Profit, denn 45 Mitarbeiter schaffen nicht allein aus Liebe zur Natur.

Sanftes Reisen bedeutet dann und wann, auch einmal auf eine Reise ... zu verzichten. Der Thailand-Experte Professor Juergen Hohnholz meint, nur entsprechende Gesetze von seiten der Regierung des Gastlandes koennten die negativen Seiten des Tourismus und damit den "haesslichen Touristen" in seinem Vandalismus stoppen: "Eine klare Gesetzgebung ist die Voraussetzung ueberhaupt, wenn es einen wirklichen Tourismus mit Einsicht geben soll." Prof. Klaus Wolf von der Uni Frankfurt: "Das entscheidende Problem ist, wieviel Touristen vertraegt eine Landschaft?"

Radio Eriwan sah das ganz einfach. Auf die Anfrage von Neckermann : "Gibt es sanften Tourismus?" antwortete Eriwan schlicht: "Im Prinzip ja! Geht ein Tourist auf Samtpfoten ueber die Wiese, Gras richtet sich auf, Spuren verwischen. Gehen tausend Touris ueber die Wiese, einer so sanft wie der andere - Wiese kaputt, nix verdient." Wer es nicht glaubt, kann in den naechsten zehn Jahren auf Koh Chang beobachten, wie die Inseln Koh Samet, Samui, Phi Phi und andere zersiedelt und zerstoert wurden. "Touristen sind Landschaftsfresser," sagte Krippendorf - meist ohne Vorsatz und ahnungslos.

Da wundern sich nicht nun die Thais, dass sie die T-Phis nicht mehr loswerden. In Marrakesch wurde der "Platz der Gekoepften" zum "Platz der Geschroepften". Wird das "Land der Freien" bald zum "Land der Frustrierten"?

 

 
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