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Literatur
Thailand - im Bann der Globalisierung
Von H. & R. Pollmeier

Globalisierung ist ein schillernder Begriff. Mit der Asienkrise schlidderte Thailand  in ihren Bann. In seinem Buch "Die Schatten  der Globalisierung"  beleuchtet Joseph Stiglitz, jahrelang Chefvolkswirt der Weltbank und Nobelpreistraeger  fuer  Wirtschaft, schonungslos  die Fehler des Internationalen Waehrungsfonds (IWF).  In dieser Anklageschrift - publikumswirksamer waere der Titel "Das Versagen des IWF" gewesen - spielt Thailand eine bedeutende Rolle.

Erinnern wir uns! Am 2. Juli 1997 brach der Kurs des thailaendischen Baht massiv ein. Zehn Jahre lang hatte dieser Wechselkurs um etwa  25 Baht pro Dollar geschwankt, nun fiel er ueber Nacht um etwa  25 Prozent. Noch im gleichen Monat gerieten auch die Waehrungen der Nachbarstaaten unter Druck: der philippinische Peso, Indonesiens Rupiah und Malaysias Ringgit. Was zunaechst nur eine Waehrungskrise war, entpuppte sich als Beginn der groessten Wirtschaftskrise seit der Grossen Depression in den dreissiger Jahren - einer Krise, die von Asien auf Russland und Lateinamerika uebergriff und die ganze Welt bedrohte.

Sie ist eine Zaesur fuer die Weltwirtschaft,  legt die systematischen Maengel der heutigen Weltwirtschaftsordnung offen.

Tatsaechlich zeigt sich rueckblickend, dass die Politik des IWF die Abschwuenge nicht nur verschlimmerte,  sondern mit ausloeste. Stiglitz stellt lapidar fest: "Die vorschnelle Liberalisierung der Finanz- und Kapitalmaerkte war  vermutlich fuer sich genommen die wichtigste Ursache der verschiedenen Krisen, auch wenn eine verfehlte Wirtschaftspolitik seitens der betroffenen Laender selbst ebenfalls eine Rolle spielte."

So hatte sich Thailand seit Beginn der 90er Jahre zunehmend verschuldet. 1996 betrugen die Schulden 123 Prozent des BIP, 1992 waren es nur 39 Prozent. Der Loewenanteil  entfiel auf Private und bestand aus Krediten mit geringer Laufzeit. Viele Kredite wurden  in den boomenden Immobilienmarkt gepumpt in dem Kalkuel: Der Marktwert steigt schnell und macht die Kreditzinsen mehr als wett.  Ende 1996 platzte die Spekulationsblase. Die Bodenpreise fielen mit fatalen Folgen: Viele Kredite konnten nicht mehr bezahlt werden. Nach Angaben der Bank of Thailand soll ein Siebtel aller Kredite bereits Ende 1996 "faul" gewesen sein, die tatsaechliche Rate war gewiss doppelt so hoch.

Als diese Fakten durchsickerten,  verloren auslaendische Investoren ihr Vertrauen in die Wirtschaft des Landes; der Angriff auf den Baht begann. In Bangkok versuchte man noch, den Wechselkurs zu verteidigen. Die thailaendische Zentralbank kaufte fuer mehr als 23 Milliarden US-Dollar Baht auf und musste tatenlos zusehen, wie  ihre Devisenreserven ohne nennenswerte Effekte dahinschmolzen.

Devisenspekulationen haben bei der Abwertung des Baht und der anderen Waehrungen eine Rolle gespielt, denn es zeigte sich schnell, dass die Programme des Internationalen Waehrungsfonds weniger den gebeutelten asiatischen Laendern als den Schnaeppchenjaegern  aus Europa und den USA halfen. Allerdings muss man  nicht dem malaysischen Premier Mahathir Mohammad folgen, der den Finanzjongleur George Soros zum alleinigen Missetaeter erklaerte. Im Juni und Juli 1997 haben Spekulanten wohl rund 10 Milliarden US-Dollar auf die Abwertung  gesetzt, also Schulden in Baht aufgenommen und damit "harte" Waehrungen gekauft, um die Kredite nach der Abwertung zurueckzuzahlen und den Kursgewinn einzustreichen. Leicht gemacht hat ihnen das die vom Internationalen Waehrungsfond und anderen Apologeten des freien Welthandels empfohlene Liberalisierung des Finanzsystems. Mit der Einrichtung der Bangkok International Banking Facilities hat die thailaendische Regierung 1993 praktisch den grenzueberschreitenden Kapitalverkehr freigegeben.

Claus Koehler zeigt anschaulich das Grundmuster spekulativer Techniken am Devisenmarkt:
"Ausgangspunkt jeder geplanten spekulativen Transaktion sind Erwartungen ueber die Kursentwicklungen an den Devisenmaerkten. Erwartet  man eine Abwertung auslaendischer Waehrungen und eine Aufwertung der heimischen Waehrung, dann wird sich der Spekulant in auslaendischer Waehrung verschulden, die aufgenommene auslaendische Waehrung in heimische Waehrung umtauschen und die Gelder am heimischen Markt anlegen. Wertet, wie erwartet, die auslaendische Waehrung ab, dann muss der Spekulant nicht die gesamte heimische Anlage in auslaendische Waehrung umtauschen, um seine Schulden in auslaendischer Waehrung zurueckzuzahlen. Es genuegt, einen Teil der Anlagen umzutauschen, um die Schulden zu tilgen. Der verbleibende Teil ist der Gewinn des Spekulanten.

Im Falle der "normalen" Yen-basierten Spekulation duerfte sich das etwa folgendermassen abgespielt haben. Der Spekulant besass US-Dollar (100 $) und erwartete eine Abwertung des Yen von 125 ¥ auf 140 ¥. Er musste sich zunaechst in Yen verschulden und den Gegenwert in US-Dollar anlegen.

Fuer die geplante Kreditaufnahme in Yen musste der Spekulant der japanischen Bank eine Sicherheit in Yen stellen. Also tauschte er seine US-Dollar in Yen um (100 $ x 125 ¥ = 12500 ¥). Fuer diese umgetauschten Yen erwarb der Spekulant Yen-Anleihen. Diese hinterlegte er bei der japanischen Bank als Sicherheit und erhielt einen Yen-Kredit (12500 ¥). Die Verschuldung in der abwertungsverdaechtigen Waehrung Yen war vollzogen. Die durch den Kredit erhaltenen Yen (12500 ¥) tauschte der Spekulant nun wieder in Dollar ein (100 $) und legte sie in Dollar-Anleihen an."

Drastischer stellte das Sophon Suphaphon in seiner beruehmten Absauger-Rede vor - er erhielt 1998 als exemplarischer Wirtschaftsmanager mit sozialem Engagement den angesehenen Ramon-Magsaysay Preis, eine asiatische Version des Nobelpreises: "Der erste Saugvorgang: Dies war ein Absaugen von Volkseinkommen ins Ausland ueber den internationalen Geldmarkt, und zwar nach Plaenen von auslaendischen wie von Thai-Spekulanten, die es auf den Baht abgesehen hatten (einschliesslich George Soros). Sie saugten die ueber mehrere Jahrzehnte mit grosser Muehe angesparten Devisen Thailands ab. Die Summe von 30 Milliarden US-Dollar oder 1000 Milliarden Baht verschwand  innerhalb eines Monats und landete in auslaendischen Haenden. Das Volk hatte keine Ahnung von dem, was  vorging. Und es gibt kein Zurueck mehr."

Schon als Weltbank-Chefoekonom reihte sich Joseph Stiglitz  in die Front der IWF-Kritiker ein. Statt enger Haushaltspolitik sei eine Ausweitung der oeffentlichen Ausgaben gefordert, soziale Sicherungssysteme muessten her, um den Abstieg von Millionen in die Armut zu verhindern.

Mit seinem Buch laesst er nun vollends die Katze aus dem Sack. Der Professor schreibt bisweilen weitschweifig,  manchmal  kleinlich, fesselt aber nach den ersten Seiten wie ein spannender Kriminalroman. Aber es ist kein Roman - leider, moechte man hinausschreien! Es ist auch kein Flugblatt von Greenpeace-Aktivisten  oder das akademische Pamphlet eines Sozialwissenschaftlers.

Stiglitz ist ein knallharter Ökonom mit den unmittelbaren Erfahrungen aus der Naehe des US-Praesidenten Clinton und der Chefetage der Weltbank. Mit zweifelsfreier Autoritaet und der Weihe des Nobelpreises nennt er die Verantwortlichen: IWF und  US-Finanzministerium. Sie bestimmen die Richtlinien der internationalen Wirtschaftspolitik. Stiglitz ist gewiss ein Ärgernis fuer das Finanz-Establishment: kritisch, nuechtern, nicht selten zynisch: "Die moderne High-Tech-Kriegsfuehrung ist darauf ausgerichtet, physischen Kontakt zum Feind zu vermeiden: Wenn man Bomben aus einer Hoehe von 10.000 Metern abwirft, "spuert" man nicht, was man tut. Bei der modernen Wirtschaftssteuerung verhaelt es sich ganz aehnlich: Von seinem Luxushotel aus kann man gefuehllos Konditionen auferlegen, ueber die man zweimal nachdaechte,  wuerde man die Menschen kennen, deren Leben man zerstoert."

Was wir bisher bei vielen Autoren als Annahmen, Vermutungen oder Spekulationen abgetan haben, erfahren wir nun kaum widerlegbar  aus berufenem Munde, wird transparent und fuer Laien nachvollziehbar: Fuer die Armen dieser Welt ist der IWF eine Katastrophe. Der Kreditgeber fuer Notfaelle ist eine arrogante Ersatzregierung; er diktiert Bedingungen, die mit den Interessen der kleinen und schwachen  ,Laender des Suedens' fast nie uebereinstimmen.

Staunend ,verschlingen' wir haarstraeubende Einzelheiten: Kredite sollen voruebergehende Zahlungsprobleme beheben. Sie werden aber an die Öffnung von Maerkten, an die Liberalisierung des Kapitalverkehrs, an die Privatisierung von Unternehmen, an den Ausgleich der oeffentlichen Haushalte gebunden. Bittsteller muessen nationale Entwicklungsstrategien und damit wesentliche Teile ihrer Souveraenitaet  preisgeben.

Stiglitz nennt viele Gruende: Rechthaberischer Dogmatismus der IWF-Buerokraten; sie trauen dem Markt alles, den Staaten nichts zu. Eine administrative Praxis ohne sorgfaeltige Analysen der Besonderheiten eines jeden Landes; pauschalierte Laenderberichte gleichen sich bis in einzelne Formulierungen. Ein faktisches Vetorecht der USA; was mit Wall Street nicht kompatibel ist, wird boykottiert.

Neben der Asienkrise sind Russland und China Schwerpunkte des Buches. China weigerte sich, das Land vorschnell zu oeffnen. Es bekaempfte zunaechst erfolgreich die Armut und setzte auf ein gediegenes Wachstum.Russland nahm die empfohlene Schocktherapie des IWF an, erwies sich als Musterschueler ? und versank  vom  Mafia-Kapitalismus ins Chaos.

Die Ergebnisse kann Stiglitz nur noch zynisch kommentieren: Die Privatisierung war ein Raubzug, mit der Liberalisierung wurde die Beute ins Ausland gebracht und mit dem Rueckzug des Staates verlor die verarmte Bevoelkerung ihren letzten Schutz.

Mitte 1998 sollte der Rubel von Dollarmilliarden aufgefangen werden. "Wir hatten geglaubt, das Geld wuerde den Wechselkurs fuer drei Monate stuetzen, tatsaechlich reichte es nur fuer drei Wochen. Wir waren der Ansicht, die Oligarchen wuerden Tage oder gar Wochen brauchen, um das Geld ausser Landes zu schaffen, tatsaechlich brauchten sie nur Stunden oder hoechstens Tage... der IWF haette uns allen das Leben leichter gemacht, wenn er das Geld direkt auf die schweizerischen und zypriotischen Konten ueberwiesen haette."

,,Spekulanten sind wie Haie, sobald sie eine Schwaeche wittern, attackieren sie ihr Opfer", lautet ein gefluegeltes Wort. Wenn Stiglitz meint: "So wie Russland heute beginnt, seine politische Fuehrung fuer die Folgen ihrer Entscheidungen zur Verantwortung zu ziehen, so sollten auch wir unsere Regierungen zur Rechenschaft ziehen. Das Urteil duerfte nicht guenstig ausfallen", melden wir arge Zweifel an. Hier war  wohl  der Wunsch der Vater des Gedankens.

Joseph Stiglitz, Die Schatten der Globalisierung. Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt, Siedler Verlag, Berlin 2002, 303 S., 19,90 Euro

Weitere Quellen & Texte:
http://www.baanthai.com/magazin/crash1997.shtml
http://www.asienhaus.org/publikat/soa/soa3_98/98-3-028.htm
http://www.geistesleben.com/diedrei/drei499/thai.html
http://www.blaetter.de/aeltere/nove97/gold1197.htm
http://www.fes.de/ipg/ipg2_98/artkoehler.html
http://www.sealinks.de/asienkrise/zeit33.htm
http://www.hausarbeiten.de/rd/faecher/hausarbeit/bwd/17042.html
http://www.solidaritaet.com/neuesol/1997/40/wsj.htm
http://www.akweb.de/ak_s/ak417/26.htm

 
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