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Siams Sueden - Songkhla
von Heinz & Rainer Pollmeier

Vornehme Blaesse wird wieder modern. Die wachsende Ozonbelastung laesst uns auf Opas Bademode zurueckgreifen. In Siams moslemischem Sueden erregt man damit kein Aufsehen, wussten die Thais doch immer, was in der Sonne gesund ist. Mit Hemd und Hose springen sie in die warme Gischt der Brandung, z. B. in Songkhla.

Wo das "Binnenmeer" Thale Sap in den Golf uebergeht, am Ende einer 80 km langen Landzunge, bildet ein Kanal ideale Voraussetzungen fuer einen natuerlichen Schlupfhafen an der sonst gradlinigen westlichen Kueste des Golfs von Thailand. Verstaendlich, dass diese guenstige Stelle seit Urzeiten besiedelt und nicht minder alt ist als Ligor, das heutige Nakhon Si Thammarat. Jetzt ist die schmale Einfahrt fuer die grossen Schiffe nicht tief genug, sie gehen zwischen der Kueste und den Inseln Koh Meo und Koh Nu vor Anker, die wegen ihrer bizarren Silhouette "Katz-und Mausinseln" genannt werden.

Songkhla, auf einer Landzunge an drei Seiten von der See umgeben, hat seine Bedeutung als Hafen- und Handelsstadt eingebuesst und wurde vom nahegelegenen, groesseren Hat Yai ueberfluegelt. Es besitzt eine Universitaet, ein modernes Technikum und ein Nationalmuseum, hat aber bisher dem Bauboom widerstanden, der so vielen siamesischen Staedten ihre Schoenheit raubte. Darum ist der altertuemliche Zauber und Charme dieses Staedtchens geblieben, der Reiz seiner alten Strassen mit den ziegelgedeckten Haeusern, seine immergruenen, schattigen Baeume an endlosen Sandstraenden.

Eine farbige Mischung aus buddhistischen Thais, muslimischen Malaien und Chinesen bevoelkert die Provinzhaupt- und Loewenstadt, denn Singha-la wurde sie von indischen, persischen und arabischen Haendlern genannt. Das indische Singh (Loewe) gab auch dem praechtigen Singapur am Ende der Malaiischen Halbinsel den Namen.

Im tiefen Sueden Thailands, rd. 1.000 km von Bangkok entfernt, ist manches anders als im uebrigen Land: Klima, Religion, Kultur und Sprache.
Die Regenzeit ist laenger und niederschlagsreicher, die feuchtesten Monate sind Dezember und Januar mit ausgepraegtem Monsunklima; dann haben Bangkok und der Norden die kuehlste und trockenste Witterung. Der Einfluss der malaiisch-indonesischen Kultur ist noch ueberall lebendig, 500 Jahre Srividjaya-Dynastie haben tiefere kulturelle Spuren hinterlassen als die spaetere politische Vorherrschaft der Thais. Das islamische Thailand fuehlt sich der buddhistischen Mehrheit (95%) des Landes nicht zugehoerig, die Menschen in den suedlichen Provinzen sprechen entweder den suedlichen knappen und schnellen Dialekt oder malaiisch. Auch die Kueche aehnelt der Malaysias eher denn jener Zentralthailands.

Der heitere Erholungsort laedt zu Muessiggang und Bummeln ein. Im Schatten der Kasuarina-Baeume kann man den etwa 5 km langen Samila Strand, dem aeltesten Badestrand der Stadt, bis zum muslimischen Fischerdort Khao Seng folgen, an der Muendung eines kleinen Flusses gelegen. Die Huetten sind auf Pfaehlen im Wasser gebaut und draengen sich aneinander unter einem gruenen Dach von Kokospalmen. Gleich parkenden Autos liegen die buntbemalten, mit Schnitzereien reichverzierten Boote im schneeweissen Sand. Der Seewind treibt den strengen Geruch getrockneten Fisches herueber.

Im Nordosten der Stadt steht neben dem Samila Hotel eine Steinfigur, eine schoene Nackte, die ihr langes Haar kaemmt. Das Denkmal der Seejungfrau, das Wahrzeichen der Stadt, ist dem Kopenhagener Vorbild verblueffend aehnlich. Thai-Maedchen lieben es, sich in der anmutigen Pose der nordischen Schoenen fotografieren zu lassen.

Dahinter beginnt eine schmale, sandige Landzunge, der Son-Onn-Strand mit vielen Seafood-Restaurants, beliebter Spazierweg am spaeten Nachmittag oder Abend. Die vielen Restaurants und Imbissstuben sind eine Einladung - man sollte sie nutzen. Wer schon einmal in Hua Hin Meeresgerichte geschlemmt hat, wird staunen, zu welch niedrigen Preisen man sich hier kugelrund geniessen kann. An zwei Seiten von Wasser umgeben, sind die Suedthailaender ein Volk von Seefahrern und Fischern. Eine natuerliche Folge dieser Meerverbundenheit ist ein reichhaltiges Angebot an Fischgerichten. Man kann sich die frischen und ungekochten Delikatessen aussuchen und zusammenstellen, sie werden immer koestlich zubereitet. Wo findet man anderenorts Krebsscheren mit Curry, einen Pla Kapong Khao Thawt, gebackene Suesswassergarnelen oder Pla Tuk Phat Phet, gebackener Katzenwels in Chili und Basilikum? Feinschmecker werden nicht versaeumen, im Fischereihafen mitzuerleben, was die Gewaesser um Songkhla an Meeresgetier noch hergeben. Angler sind gut beraten, ihre Ausruestung mitzubringen und sich ein Boot zu chartern oder ihr Glueck an den Binnenseen zu versuchen. Das ist jungfraeuliches Terrain fuer unsere Fangmethoden.

Wer hohe Luftfeuchtigkeit vertraegt, sollte in der Regenzeit kommen; es regnet ja nicht den ganzen Tag lang. Trifft man in der Saison unter vielen einheimischen und malaiischen Urlaubern wenige weisse Gesichter, kann man ausserhalb der Saison ohne jeden Touristenrummel seine Unternehmungen starten: Stadtrundgang auf der Suche nach der eigenartigen Mischarchitektur aus chinesischen, portugiesischen und malaiischen Einfluessen, der Tempelkomplex von fast 500 Jahren im Herzen der Stadt, das Nationalmuseum mit wertvollen Stuecken aus der Srividjaya-Zeit.

Naturfreunde werden auf dem Weg nach Phatthalung in aller Fruehe - die beste Zeit ist von Nov. bis Febr. - beim Dorf Khu Khut zum groessten Vogelschutzgebiet Asiens aufbrechen und sich mit einem Boot in das 520 qkm grosse Lagunengebiet begeben - ein einmaliges Erlebnis.

Es gibt Leute, die verdraengen im Urlaub einfach die moderne Wirklichkeit und lassen sich von Traumbildern hochschaukeln. Aber nirgendwo auf der Welt entgehen wir dem Profitstreben und der Naturzerstoerung. Die lange, vor einigen Jahren noch fast unberuehrte Nehrung zwischen dem Binnenmeer Thale Luang und dem Golf bietet Anschauungsunterricht in krassester Form: Die fuer die Natur wertvollen Mangrovenwaelder sind Shrimpsfarmen gewichen, Commerz frisst gnadenlos die Natur und zerstoert sie, denn die Boeden sind nach einigen Jahren durch Chemie und Salzwasser hoffnungslos verseucht.

Aber als Europaeer koennen wir nicht die Nase ruempfen: Bei uns boomt die Aquakultur wie die Agroindustrie. Vergleichbar mit der thailaendischen Garnelenzucht wurden aus Fischern Meeresfarmer. So bilden in riesigen Fischfarmen an der Westkueste von Schottland, eine der bisher unverdorbensten Landschaften Europas, schwimmende Kaefige den Teil einer Industrie, die durch ungehemmtes Wachstum ausser Kontrolle geraet. Der wilde Edelfisch Salmo Salar wird in Kaefige gezwaengt, wie Schweine gemaestet, von Parasiten befallen und in Pestiziden gebadet - und die wunderschoenen Seen werden tote Gewaesser, dead lochs.

Da freut man sich wieder auf ein so liebenswertes Staedtchen wie Phatthalung, malerisch in einer ausgedehnten Reisebene - ein seltener Anblick im Sueden - zwischen zwei Kalksteingipfeln gelegen. Um den Khao Ok Thalu (Berg mit dem durchbohrten Herzen) und dem Khao Hua Taek (Berg mit dem gespaltenen Kopf) ranken sich wilde Eifersuchtssagen. Das urspruengliche Nang Thalung, das thailaendische Schattentheater, ist nach dieser Stadt benannt, denn nang bedeutet Rohhaut, das ungegerbte Leder.

Das kleine, uebersichtliche Phatthalung glaenzt nicht mit grossartigen Kloestern und erlesenen Kunstgegenstaenden, dafuer bietet die Umgebung reiche Abwechselung mit Grotten und Hoehlen von mystischer Atmosphaere. Die buddhistischen Hoehlentempel des Wat Kuha Sawan dienten wohl schon in der Srividjaya-Periode als Meditationstempel. Die Anlage vermittelt einen Einblick in ein typisch thailandisches Kloster, das noch nicht als Attraktion vermarktet wird. Auch das Hoehlenkloster Tham Malai sollte man aus diesem Grund besuchen; es bietet von oben einen herrlichen Rundblick von den Bergen im Westen bis zu den grossen Binnenseen und dem Meer im Osten. Heisse Quellen und Kaltwasserteiche findet man etwa 20 km suedlich beim Dorf Khao Chai Son, die Wasserfaelle kann man gar nicht alle aufzaehlen. Da ist ein Reisefuehrer behilflich.

Nun hat jeder Besucher seine Liebhabereien. Wir fahren immer gern zum Thale Noi-Suesswassersee rd. 30 km nordoestlich der Stadt, ein Vogelschutzgebiet. Die Bootsmotoren - das muesste ja nicht sein -scheuchen Unmengen von Wasservoegeln auf, wenn sich die Ausleger in den Wasserpflanzen festfressen, und man muss schnell reagieren, um brauchbare Fotos zu schiessen. Die Einheimischen staken mit Flachbooten durch die "Everglades" und ernten das Riedgras Don Kok, das zu Fussmatten verarbeitet wird. Der auffaelligste Wasservogel sei der "Nok I Kong", schreibt ein Reisetuehrer, "mit seinen langen komischen Beinen, die wackeln wie das schlecht funktionierende Fahrgestell eines Flugzeugs, wenn er auffliegt." Kein schlechter Vergleich! Starten Sie frueh und nehmen Sie einen Picknickkorb mit! Mitten im See befindet sich ein Pavillion, der zur Brotzeit einlaedt. Mit Fernglas, Singha-Bier und Durian ein vollkommener Tag - was will man mehr im Sueden Siams?

 
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